Der Frühling lockt mit frischem Grün, wärmenden Sonnenstrahlen und fröhlichem Zwitschern der Vögel. Die Natur erwacht und versprüht eine Atmosphäre voller positiver Energie. Diese Jahreszeit steht für Neubeginn – ein Thema, das auch die Marketingbranche geschickt aufgreift. Prospekte preisen Sportartikel und Gesundheitsprodukte an, Magazine füllen sich mit Tipps zu Detox, Diäten und Fitness. Studien zeigen: Im Frühjahr sind Menschen besonders offen für Veränderungen.
Umfragen belegen, dass über ein Drittel der Deutschen den Frühling als Lieblingsjahreszeit nennt, während nur fünf Prozent ihn nicht mögen. Diesen emotional-psychologische Effekt nutzen Händler – und wir können diesen Rückenwind ebenfalls für persönliche Veränderungen einsetzen. Damit Veränderungen nachhaltig wirken, empfiehlt es sich, kleine alltagstaugliche Schritte in den Alltag zu integrieren. Hier finden Sie einige Anregungen.
Alles neu macht der Mai
Vergleichbar mit dem Jahresbeginn im Frühling markiert der Morgen den Start in den Tag. Die Natur macht es uns vor und folgt dabei ihrer unsichtbaren Blaupause: Behutsam strecken die ersten Schneeglöckchen ihre Spitzen in die noch kalte Luft, mit jedem Sonnenstrahl wächst die Lebendigkeit. Auch wir können den Übergang vom Schlaf zum Wachsein bewusst gestalten. Noch eingekuschelt im Bett mit geschlossenen Augen bieten sich Atemübungen an, um sanft in den Tag zu finden. Erste Streck- und Bewegungsübungen wecken die Lebensgeister. Mit zunehmender Wachheit kann der Fokus auf den Tag gelegt werden: Wie will ich heute sein? Wann nehme ich mir erholsame Pausen? Was steht an? Wer seine Gedanken achtsam beobachtet und lenkt, geht klarer in den Tag. Nach dieser sanften Einstimmung fällt das Aufstehen leichter.

Über den Atem Energie tanken
• Liegend: Tief ein- und ausatmen, fühlen wie der Bauch sich hebt und senkt.
• Prana-Atmung sitzend: Mund schließen, durch die Nase tief einatmen. Handflächen aneinanderlegen und über den Kopf heben. Die Augen weit öffnen. In der Vorstellung dabei Licht und Energie über die Augen, die Ohren, das Gesicht und den Scheitel einsaugen. Wenn die Lunge voll ist, Atem anhalten, Augen schließen und sich auf den Punkt zwischen den Augenbrauen konzentrieren. Eingeatmete Energie als helles Licht in der Stirnmitte visualisieren. Atempause solange es angenehm ist. Beim Ausatmen löst sich das Licht in einen strahlenden Energieregen auf. (Quelle: Buch „Atem – Kraftquelle deines Lebens“ von Swami Saradananda)
Verschiedene Arten von Kraft
Der kräftigste Muskel im Körper ist der Musculus masseter1) neben dem großen Gluteus maximus2), vielbeschäftige Vertreter sind die Musculi oculi3) und besonders viel Verantwortung trägt das Myokard4). Giulia Enders beschreibt in ihrem Buch „Organisch“ die verschiedenen Arten von Kraft und warum wir alle fürs Leben brauchen. „Kraft basiert nicht einfach auf imposanten Muskeln, sondern braucht die Nerven, ihre Impulse und eine gelingende Zusammenarbeit“, schreibt sie. Aus dem Profisport wissen wir, dass ein mentales Training ebenso wichtig ist, wie das körperliche. Dabei werden nicht die Muskeln dicker, aber die Zellen im Gehirn, die für diese Bewegung zuständig sind. Das bedeutet für uns, wir können unsere Fitness auch gedanklich unterstützen und trainieren. „Ein derart aufgemöbeltes Nervengeflecht erzeugt intensivere Impulse – und das merken die Muskeln.“
Muskel-Wissen
- Musculus masseter: Der Kaumuskel erzeugt besonders viel Kraft pro Gramm Muskelmasse. Bei den Backenzähnen stemmt er bis zu 80 Kilogramm, an den Schneidezähnen sind es rund 25 Kilogramm. Seine Kraft kommt aus der Hebelwirkung mit den Kieferknochen.
- Gluteus maximus: Der Gesäßmuskel ist groß und verbraucht bei seiner Arbeit viel Kalorien. Kein Wunder, er muss den Oberkörper des Menschen stundenlang aufrecht halten und die Beinbewegung unterstützen.
- Musculi oculi: Die Augenmuskeln sind für die schnellsten Bewegungen im Körper zuständig. Schnelle Richtungswechsel meistern sie mit Bravour, während einer Stunde Lesen wechseln sie rund 10.000mal die Richtung.
- Myokard: Der Herzmuskel hat einen eigenen Taktgeber und verfügt über beste Verbindungen zum Gehirn. Wichtig ist, dass er sich nicht aus dem Takt bringen lässt und zuverlässig seiner Arbeit nachgeht.

Bewegung als Energiequelle
Wir brauchen Bewegung – sie bringt das Herz-Kreislauf-System in Schwung, sorgt für eine bessere Durchblutung, aktiviert den Stoffwechsel und fördert die gute Stimmung. „Muckis sind die beste Prävention“, schreibt Vanessa Lämmle in „Physio@Home“. Als Physiotherapeutin sieht sie in ihrer Praxis täglich Menschen, die Schmerzen und Beschwerden haben.
Oft ist die Therapie ganz einfach: mehr Bewegung. Warten wir also nicht auf Einschränkungen, sondern starten gleich. Es muss kein aufwändiges Fitnessprogramm sein – jede Bewegung zahlt sich positiv aus. Der Körper zeigt an, für welche Bereiche trainiert werden sollten. Einzelne Übungen können auch zwischendurch am Schreibtisch oder in der Küche ausgeführt werden. Wer mit einer Handvoll Übungen beginnt und sie geschickt in den Alltag integriert, hat schon viel gewonnen. Hilfreich ist das handliche Kartenset von Lämmle als „Physio to go“. Einzelne Übungskarten motivieren zu täglichen Bewegungsimpulsen. Kleine, regelmäßige Schritte sind effektiver als große Vorhaben, die schnell scheitern.
Faszien – das unterschätzte Netzwerk
Wer entspannt und beweglich ins Jahr starten will, sollte seine Faszien pflegen. Denn Stress zeigt sich im Fasziensystem und gleichzeitig können wir über dieses ebenso feine wie kraftvolle Netz mehr Wohlbefinden erlangen. Nicht nur unsere Beweglichkeit und Leistungsfähigkeit hängt von diesem Bindegewebe ab, sondern auch unsere Psyche. Genau genommen gibt es nur eine Faszie in unserem Körper wie Autor Patrick C. Nehmzow in „Das Faszien Antistress-Programm“ beschreibt. Sie umgibt alle unsere Muskeln, Organe, Nerven und Gefäße „wie ein Taucheranzug“. Auch Bänder, Sehnen und Gelenke sind davon umgeben. Das Fasziengewebe verbindet Körper und Nervensystem. Es reagiert fein auf Wahrnehmungen sowie Gefühle. Sind die faszialen Schichten gleitfähig, können wir uns in dem „Taucheranzug“ gut bewegen. Vernachlässigen wir sie, werden unsere Bewegungen eingeschränkt und es können sich Verspannungen sowie Schmerzen zeigen. Faszientraining gelingt einfach teils ohne Hilfsmittel oder mit Faszienrollen sowie Bändern.
Grüne Lebensmittel für frische Energie
Das Frühjahr hält auch einige kulinarische Highlights für uns bereit. Manches Obst und Gemüse hat nur kurze Zeit Saison – umso größer ist die Vorfreude darauf. Im Frühjahr ist es besonders das grüne Gemüse, das Vitalstoffe liefert. Bärlauch sprießt im März in den Wäldern und Gärten. Er verfeinert Gerichte oder kann zu einem Pesto verarbeitet werden. Kurz darauf folgen Rhabarber, Spargel und Spinat. Als heimisches Superfood wirken Wildkräuter gegen die Frühjahrsmüdigkeit. Brennnessel, Taubnessel, Löwenzahn und Spitzwegerich strecken früh im Jahr das erste Grün aus dem Boden. Sie sind voller wichtiger Vitamine, Mineralstoffe und sekundärer Pflanzenstoffe, die das Immunsystem unterstützen und für Energie sorgen. Sie passen in Salate, auf Brot oder zusammen mit Obst oder Gemüse in Smoothies.
Wer Inspiration sucht, findet auf in der WWF-Fibel „Kleines Kräuterwissen“ erste Tipps. https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/Bildung/Jahreszeitenentdecker-Set-Kraeuterflyer.pdf
Mit diesen jahreszeitentypischen Lebensmitteln starten wir fit und gesund ins Jahr.

Wilde Kraftlieferanten
- Brennessel (Urtica dioica): Als Tee mit frischen oder getrockneten Blättern, in Salaten und Smoothies. Liefert wichtige Mineralstoffe, Vitamin C und Eisen.
- Löwenzahn (Taraxacum officinale): Blätter in Salaten und auf Brot. Blüten in Salaten, als Gemüse, für Gelee oder Sirup.
- Spitzwegerich (Plantago lanzeolata): Alle Teile außer Wurzeln werden verwendet. Bei Insektenstichen auflegen, bei trockenem Husten oder Kratzen im Hals.
- Weiße Taubnessel (Lamium album): Blätter und Triebspitzen als Tee, in Salaten oder als Suppengemüse, Blüten in Salaten.
Buch-Tipps




Blick ins Innere
Guilia Enders nimmt die Leser mit auf eine faszinierende Entdeckungsreise in unser Inneres. Auf unterhaltsame Weise bringt sie komplexe Zusammenhänge und neueste wissenschaftliche Erkenntnisse auf den Punkt. Mit anschaulichen Geschichten erfahren die Leser, welche Kräfte in tief ihrem Innern wirken. Sie schützen, heilen und halten uns tagtäglich am Leben – meist völlig unbemerkt. Das Buch öffnet nicht nur die Augen für die Wunder in uns, sondern inspiriert dazu, dem eigenen Körper mit mehr Achtsamkeit und Vertrauen zu begegnen.
Giulia Enders: Organisch. 336 Seiten, Ullstein Verlag, 24.99 Euro
Heilsame Workouts
Im Buch zeigt Vanessa Lämmle Übungen für die häufigsten Problembereiche, die man zuhause ganz einfach trainieren kann. Dafür ist kein teures Equipment notwendig. Je nach Bedarf werden Übungen mit dem Fokus auf Rücken, Arme und Beine mit Bildern und Beschreibungen gezeigt. Das gleichnamige Kartenset besteht aus 50 Micro-Workouts im handlichen Format, die flexibel kombinierbar sind.
Vanessa Lämmle: „Physio@Home“, Buch (16 Seiten, 22 Euro) und Kartenset (50 Karten, 20 Euro), Herbig im Franckh-Kosmos Verlag
Faszinierende Faszien
Patrick C. Nehmzow beschreibt die faszinierende Welt der Faszien. Leser erfahren, dass es eigentlich nur eine Faszie gibt, wo sie sich im Körper befindet, wie empfindlich sie auf Stress reagiert und warum es zu Schmerzen kommt. Neben Übungen gibt es auch praktische Tipps für den Alltag und wie jeder für seine fasziale Gesundheit sorgen kann. Anhand von Fallbeispielen lassen sich schnell die geeigneten Übungen finden und direkt starten.
Patrick C. Nehmzow: „Das Faszien Antistress-Programm“, 160 Seiten, Herbig im Franckh-Kosmos Verlag, 24 Euro
Kraftquelle Atem
Die Autorin Swami Saradananda vermittelt in ihrem Buch die klassischen Übungen aus dem Pranayama. Einsteiger und Fortgeschrittene finden darin Anregungen, wie sie die Atmung bewusst einsetzen können, um gesund, fit und leistungsfähig zu werden oder zu bleiben. Mit praktischen Schritt-für-Schritt-Anleitungen und Bildern können die Übungen leicht umgesetzt werden.
Swami Saradananda: Atem – Kraftquelle deines Lebens. 160 Seiten, Trias Verlag, 19 Euro
Autor/Autorin: Birgit Schneider • Fotos: ©shirish4ss-pixabay.com, ©stocksnap-pixabay.com, ©silviarita-pixabay.com, ©pixabay.com
